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Pauline in Finnland Teil2

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Noch nie habe ich so viele neue Erfahrungen gemacht, wie in den letzten zwei Monaten (innerhalb des finnischen Unabhängigkeitstages, der am 06. Dezember gefeiert wird und den Skiferien, die jetzt mit Anfang März beginnen). Dieser Zeitabschnitt verging so schnell wie kein anderer in meinem bisher absolvierten Austauschjahr. Alles begann mit der Weihnachtszeit, wobei vorher am 21. Dezember noch ein Spieltag im 150 Kilometer entfernten Kajaani, an dem das Floorball-Jahr 2014 mit einem Sieg und einer Niederlage recht erfolgreich von uns abgeschlossen werden konnte, auf dem Plan stand. Nachdem es zwei Tage später für mich und vier Freundinnen in einem Tagesausflug über die Grenze nach Schweden ging, stand nun Weihnachten unmittelbar vor der Tür. Wirklich wie Weihnachten angefühlt hat es sich für mich seit dem Aufstehen allerdings nicht und auch im Laufe des 24. Dezember kam das Weihnachtsgefühl nicht zu mir. In Finnland wird Weihnachten genau wie in Deutschland und wie bereits von mir erwähnt am 24. Dezember, also an Heiligabend, gefeiert. Auch die Traditionen sind ähnlich, in Finnland geht man lediglich mittags in die Sauna (wohin auch sonst?). Ansonsten hat es sich nicht großartig von der deutschen Weihnacht unterschieden. Nachdem ich mit meinen Gastschwestern in der Sauna war, kam uns der Weihnachtsmann (joulupukki) zu Hause besuchen. Ich muss sagen, die Verkleidung des Bruders meiner Gastmutter war nicht die beste. Gegen 18.00 Uhr gab es Abendessen (das ist in Finnland traditionell der Weihnachtsschinken joulukinkku, sowie auch Rentierfleisch mit Karotten) und anschließen gab es Geschenke. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich Weihnachten hier in Finnland nicht richtig genießen konnte, da mich ein wenig das Heimweh geplagt hat. Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag hatten wir dann Weihnachtsfeiern mit den Verwandten meiner Gastfamilie und danach kam ich relativ schnell durch meine finnischen Freunde über mein kleines Heimweh hinweg. So waren wir beispielsweise im Wald im Nachbardorf auf der Suche nach den Polarlichtern zwar weniger erfolgreich, konnten dann aber einen Sieg unserer Oulun Kärpät (das beste Eishockeyteam Finnlands!!!) bewundern. Silvester habe ich mit ein paar anderen Austauschschülern zusammen bei einer finnischen Freundin zu Hause verbracht und danach waren noch ein paar Tage Luft, bis die Schule wieder begann.

Mit Ende Januar/Anfang Februar hat man dann bemerkt, dass endlich die dunklen Monate vorüber gehen. An einem Freitagmorgen hatte ich Sportunterricht in unserer Sporthalle, die ca. zwei Kilometer von unserer Schule entfernt liegt und von dort aus bin ich mit einer guten Freundin zur Schule gelaufen und es war ein wunderschönes Gefühl, als die Sonne uns richtig ins Auge stach. Der Himmel war blau und keine einzige Wolke hat den Himmel bedeckt. Sofort hat man auch gemerkt, dass die Finnen total fröhlich waren, es hatte etwas Magisches. Mittlerweile ist es um 08.00 Uhr, wenn ich zur Schule gehe, auch schon wieder taghell und Tag für Tag geht die Sonne früher auf.

Nachdem etwas später die dritte Testwoche hinter mir lag, habe ich gespürt, dass in der Schule demnächst etwas Großes ansteht. Die Schule war halbleer, die Abiturienten waren weg, kamen lediglich für ein paar Prüfungen in die Schule. Am Donnerstag, den 12. Februar stand dann ihr letzter Schultag auf dem Plan, auf Finnisch penkkarit genannt. Nachdem die ersten und zweiten Klassen des Gymnasiums in der ersten Stunde normalen Unterricht hatten, haben die Abiturienten (alle in ausgefallensten Kostümen verkleidet) eine Show vorbereitet, in denen zum Beispiel die Lehrer in verschiedenen Aufgaben gegeneinander antreten mussten. Danach ist es Tradition in finnischen Schulen, dass die Eltern der Abiturienten in die Schule kommen und mit ihren Söhnen und Töchtern zusammen Kuchen essen und Kaffee trinken. Und dann, um 12.50 Uhr, war es soweit und die (noch) Ältesten der Schule wurden von uns, dem (noch) mittleren und jüngeren Jahrgang, jeder einzeln aus der Schule direkt auf einen LKW getragen. Von dort aus haben sie Süßigkeiten um sich schmeißend ihre Fahrt zu allen anderen Schulen der Stadt begonnen und darauffolgend kam in der Schule die Durchsage „Der zweite Jahrgang ist nun der älteste.“ Und dies bedeutet, dass am nächsten Tag der Wanhat (dt. „Tänze der Ältesten“) stattfindet, wie ich bereits in meinem vorherigen Bericht beschrieben habe (siehe hier: http://reddevils.org/2014/12/17/pauline-wolf-in-finnland-ein-winterlicher-zwischenbericht/). Sehr viel konnte ich mir vorher nicht darunter vorstellen, nur eins wusste ich und das war die Tatsache, dass wir unsere gelernten Tänze der Schule und den Eltern in insgesamt drei Vorstellungen vorführen und selbstverständlich, dass es für die Mädchen ein echter Prinzessinnen-Tag werden würde. In diesen Vorstellungen bin ich auch nicht enttäuscht worden, jedes Mädchen war eine Prinzessin, jede(r) einzelne war sehr aufgeregt und trotzdessen, dass es Freitag der 13. war, verlief alles ohne Probleme. Zwar hat es mein Kleid nicht komplett schadenfrei überstanden, jedoch hat es abgesehen davon, dass der Tag wahnsinnig schnell vergangen ist, sehr viel Spaß gemacht und ich werde wohl für immer sehr schöne Erinnerung an diesen Tag haben. Dies ist allerdings schon wieder zwei Wochen her und ich kann mir nicht erklären, was mit der Zeit passiert ist.

Auch in meinem Floorballteam könnte es zur Zeit nicht besser laufen. Momentan sind wir alleiniger Tabellenführer und wenn wir unsere nächsten und letzten beiden Spiele am 07. März, die auch noch unsere Heimspiele sind, gewinnen können, ziehen wir in die finnischen Meisterschaften ein. Davon haben wir am Anfang der Saison nur träumen können, da der Start etwas holprig verlief, jedoch sind wir dem ganz großen Ziel jetzt so nah wie nie zuvor und alles werden wir daran setzen, uns dieses selber zu erfüllen. Wird dies nicht der Fall sein, ist die Saison für uns beendet, jedoch stehen noch verschiedene Turniere im Frühling an, jedoch hoffe ich natürlich nicht, dass die Saison für uns schon im März beendet wird.

 

Ganze sieben Monate sind von meinem Austauschjahr jetzt vorüber, vier liegen nun noch vor mir und das Motto für diese vier Monate lautet einfach nur: Minä nautin!

 

Update durch die Redaktion: Paulines Team konnte beide Spiele gewinnen und zieht als Tabellenerster und ‘Nordfinnischer Meister’ in die Qualifikation für die SM-Liiga. Die Spiele finden bereits an diesem Wochenende in Turku statt. Wenn aus beiden Siegen ein Sieg herausspringt, darf die Mannschaft kommende Saison in der höchsten finnischen Liga starten und kann dann um die nationale Meisterschaft spielen. Aus Kostengründen könnte es jedoch noch zu einem Teilnahmeverzicht kommen, die Spiele der Liga finden fast alle im Süden des Landes statt und dies bedeutet hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand.

Wegen einer Reise nach Lappland, die noch bis Samstag dauert, muss Pauline allerdings auf eine Reise mit ihrem Team verzichten, drückt aber natürlich fest beide Daumen!

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