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Nachgefragt: Nachwuchsspielerinnen löchern Sara Patzelt

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Derzeit läuft die Weltmeisterschaft der Damen in Tschechien und eine Harzerin ist mittendrin. Sara Patzelt, die in Quedlinburg zur Schule ging und in der TSG GutsMuths groß geworden ist, steht nach vier Siegen gegen Kanada, Japan, Dänemark und Russland im lange erträumten Viertelfinale der WM. Ein großer Traum, den nicht nur Sara selbst lange träumte, geht damit in Erfüllung. Am Donnerstag treffen die Deutschen Damen dann auf die Schweiz.

Sara im Dress der SG Floorball Harz

Sara im Dress der SG Floorball Harz, Foto: Tilmann Hesse

Als langjährige National- und gestandene Bundesligaspielerin ist Sara für  zahlreiche Nachwuchsfloorballerinnen im Harz ein Vorbild, dem die ganz Kleinen, aber auch die nicht mehr ganz so jungen Spielerinnen nacheifern – und natürlich gibt es von Sara eine Menge zu erfahren, schließlich hat sie schon etliche Jahre Erfahrung auf dem Buckel und viele Erlebnisse rund um den Lochball.

Deshalb löcherten unsere Spielerinnen zwischen 8 und 40 Jahren Sara mit gefühlten 100 Fragen. Sehr interessant, was einige Spielerinnen da so wissen wollten:

Wie bist du dazu gekommen Floorball zu spielen und mit wie vielen Jahren hast du angefangen?
Sport hat schon immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Von Leichtathletik, über Tennis bis hin zu Volleyball habe ich alles mal ausprobiert. Geblieben ist der Floorball. Ich glaube, dass meine Mutti mich in der 5. Klasse das erste Mal mit zu einer ihrer AGs genommen hat. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, aber anscheinend hat mich der Sport damals in seinen Bann gezogen und mich erfolgreich weiter begeistern können.

Haben dich deine Eltern bei deiner Entscheidung Floorball zu spielen unterstützt?
Meine Familie unterstützt mich wahnsinnig viel. Vor allem meine Mutti ist hier mein Fels in der Brandung. Sie hat mich angetrieben, aufgefangen, angefeuert und getröstet. Danke, Mutti!

Nach wievielen Jahren Floorball bzw. in welchem Alter hast Du Dein erstes Turnier (1. Punktspiel) gehabt, welche Position hast Du da gespielt? Spielst Du immer noch auf dieser Position?
Puh… das weiß ich nicht mehr. In der 7. Klasse vielleicht?! Ich war in meinen Anfängen immer im Sturm zu finden. So viel hat sich daran nicht geändert, obwohl ich glaube schon jede Position gespielt habe (außer Tor, weil ich nicht gut fangen kann?). Beim UHC spiele ich derzeit linken Flügel und in der Nationalmannschaft Center.

Hattest du Schwierigkeiten Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen?
Schwierigkeiten würde ich es nicht nennen… vielleicht die ein oder andere Hausaufgabe abgeschrieben oder mal einen Test vermasselt. Mein Abiturdurchschnitt hätte sicherlich besser sein können ohne den Sport aber meine fehlender Lernehrgeiz war wohl das größerer Problem.

Wie bringst du Beruf, Training, Spieltage und Nationalmannschaft unter einen Hut?
Tja, der Hut ist wohl eher ein dehnfähiger Schirm. Es ist wirklich nicht einfach. Aber es lohnt sich. Zeitmanagement, Mut zur Lücke, Kaffee, Spaß an der Sache, Freunde und Familie, die einen unterstützen… mein Geheimrezept?

Wie bist du zum UHC Weißenfels gekommen? Welchen Etappen lagen zwischen Beginn und Deinem aktuellen Club?
Puh… das sind etliche: TSG GutsMuths (U19 mit den Jungs), Concordia Harzgerode (Damen Kleinfeld), SAGHA Team Halle (Damen Bundesliga), UHC Sparkasse Weißenfels (Damen Bundesliga). Dabei muss man sagen, dass sich alle „Etappen“ überschneiden und zustande kamen, weil Mädchen- bzw. Frauenmannschaften noch nicht so verbreitet waren wie heute. Zum UHC bin ich dann gewechselt, weil Weißenfels fahrtechnisch noch am erreichbarsten ist und weil die Mädels und der Verein super sind.

Sara im Kreis ihrer Kolleginnen, darunter auf Mitspielerinnen ihres Bundesligateams UHC Sparkasse Weißenfels

Sara im Kreis ihrer Kolleginnen, darunter auch ihre Mitspielerinnen Laura Neumann (2.v.l.) und Pauline Baumgarten (r.) vom Bundesligateam UHC Sparkasse Weißenfels
Foto: Martin NEUZIL / wwfc2013

Würdest du gern einmal im Ausland spielen und wenn ja, in welchem Land und bei welchem Verein?
Ich denke, der Zug ist für mich abgefahren. Ich habe nicht die Ambitionen noch einmal für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Früher wär das schon eine tolle Sache gewesen… eigentlich egal wo und in welchen Verein. So eine Erfahrung bringt einen Spieler immer voran, spielerisch und persönlich. Dennoch kann ich mir vorstellen einen Schnupperkurs in Skandinavien zu machen und mir ein paar Trainings und Spiele anzuschauen.

Wie viele Stunden wendest Du pro Woche für Floorball auf, wenn Du Fahrten, Spiele und Training zusammen zählst?
12 – 30 Stunden. Das ist ganz abhängig davon, wie viel am Wochenende ansteht. Sicher sind die 3 Trainings in der Woche.

Wie ist es, wenn du Kleinfeld mit deinem „alten“ Verein gegen Weißenfels spielen musst, oder versuchst du das zu umgehen?
Ich spiele sehr gerne noch für die SG Harz. Ich find es ganz toll, was die Mädels da auf die Beine gestellt haben und unterstütze das Team, wenn es die Zeit bzw. der Hut zulässt. Gegen Weißenfels zu spielen ist schon etwas merkwürdig, aber aus dem Weg gehen, kommt nicht in Frage. Gerade gegen einen starken Gegner möchte ich den Harzern helfen nicht den Mut zu verlieren.

Welche Ziele verfolgst du nach deiner aktiven Phase? Gibt’s schon Pläne, Wünsche, Vorstellungen?
Ich kann mir gerade noch nicht vorstellen kein Floorball mehr zu spielen. Aber wenn der Zeitpunkt gekommen ist, hoffe ich, dass ich helfen kann den Sport weiter voran zu treiben. Ob nun als Trainer oder Sportlehrer oder an anderer Stelle wird sich zeigen.

In welchen Situationen bist Du besonders nervös und wie gehst Du mit dieser Nervosität um? Und was machst Du, wenn Du vor einem Spiel nervös bist?
Vor wichtigen Spielen bin ich immer nervös. Ich denke, das muss so sein. Nervenkitzel gehört dazu und Adrenalin bringt einen auf Hochtouren. Eine Taktik um die Nervosität zu besiegen habe ich allerdings nicht. Meistens verfliegt die mit dem ersten Einsatz im Spiel, weil ich dann nicht mehr die Zeit habe darüber nachzudenken, um was es geht, sondern einfach versuche das Beste zu geben.

Schwörst du auch auf Nudelgerichte vor Spieltagen?
Eigentlich schwöre ich nur auf eine ordentliche Mütze Schlaf vor Spieltagen. Ich muss gestehen, dass ich kein Fan davon bin morgens um 10 schon eine Portion Nudeln essen zu müssen, wenn um 2 das Spiel beginnt. Ich greife da lieber zu Schokolade ?

Wie bereitest Du Dich auf Wettkampfspiele vor? Woraus ziehst Du Deine Motivation?
Wie schon erwähnt: Schlafen. Ansonsten hilft gute Musik vor dem Spiel und gelöste Stimmung im Team. Ziele schaffen sicherlich die beste Vorbereitung und Motivation. Das Saisonziel der Mannschaft und das persönliche Ziel, was man als Spieler erreichen möchte, sind Grundlage für jeden Wettkampf.

Gab es schwierige Phasen in Deiner sportlichen Karriere? Was hat Dir geholfen diese zu überwinden?
Ja, die gab es. Bei meinem ersten Auswahltrainingslager der U19 Nationalmannschaft wurde ich nicht in den Kader nominiert. Das war schon ein herber Schlag mit 16 in seine Schranken gewiesen zu werden. Hier war natürlich meine Mutti die tröstende Schulter und Familie und Freunde haben mich zum Weitermachen ermutigt. Also: immer schön dran bleiben!?

Sara im Spiel gegen Russland, dass 2:1 gewonnen und der Viertelfinaleinzug wahr wurde

Sara im Spiel gegen Russland, dass 2:1 gewonnen und der Viertelfinaleinzug wahr wurde
Foto: Martin NEUZIL / wwfc2013

Ist das Training in der Nationalmannschaft härter als im Verein?
Ich würde pauschal sagen: Nein. Aber man kann das auch schlecht vergleichen. Im Verein machen wir natürlich viel umfassenderes Training… Technik, Taktik, Physis. In der Nationalmannschaft müssen die Grundlagen einfach vorhanden sein und es geht mehr um den Feinschliff, mehr um taktische Sachen.

Was ist deine Lieblingsübung beim Training? Welche magst Du gar nicht?
Ich habe keine bestimmte Lieblingsübung, aber ich mag Übungen die schnell und komplex sind, die man auf den ersten Blick total verwirrend findet. Meistens sind diese sehr spielnahe und man hat alles dabei: Pässe, Schüsse, Laufen, Blocken, Überzahl, Unterzahl, … und vor allem muss man den Kopf einschalten und seine Entscheidungen auf dem Feld schnell treffen. Die Klassiker der Pass- und Schussübungen sich eher nicht so mein Fall, aber die müssen auch sein, um ein gewisses Ballgefühl zu bekommen und die Torhüter vorzubereiten.

Was sind bisher deine größten Erfolge im Floorball ?
Deutscher Meister U19 TSG GutsMuths, 2 x Teilnahme U19 WM Damen, Deutscher Meister UHC Sparkasse Weißenfels, 2 x Teilnahme U19 WM Damen

Welche weiteren zukünftigen Ziele hast du noch für Floorball?
Erst einmal die WM super über die Bühne bekommen. Ansonsten setzen wir wieder alles daran Deutscher Meister zu werden mit den Cats, um den Europcup spielen zu können.

Was habt ihr euch für Ziele bei der WM gesetzt?
Das Viertelfinale erreichen!

Was kosten die WM und die bisherigen Vorbereitungscamps für jede einzelne Nati-Spielerin und wie werden diese Kosten gestemmt?
Leider werden die Kosten zum größten Teil privat gestemmt. Die UHC Mädels haben das große Glück vom Verein einen Obolus zu bekommen. Dennoch ist die Nationalmannschaft eine echte Investition: ca. 1400€

Wenn wir ein Buch über dich schreiben, welchen Titel sollte es haben?
Ehe es soweit ist, dass ein Biographie über eine Floorballspielerin geschrieben wird, bin ich wahrscheinlich alt und runzelig. Vielleicht: Die Oma mit dem Floorballstock?!

Was machst du beruflich?
Ich studiere Englisch und Sport auf Lehramt für Gymnasium an der FSU in Jena.

Welche Interessen / Hobbies hast du noch?
Snowboarden, Reisen, Bücher, Volleyball, Tennis

Vielen Dank, Sara, dass Du alle unsere Fragen so geduldig noch in der besonders stressigen Zeit vor der Weltmeisterschaft beantwortet hast.

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